Trauer um Ehrenmitglied Konrad Winkelmaier
Der Schützenverein Adler Willmering trauert um seinen Schützenbruder Konrad Winkelmaier, der am 30. Dezember im Alter von 94 Jahren verstorben ist.
Konrad trat am 14. Januar 1951 in den Schützenverein ein. Er war eines von zehn Wiedergründungsmitgliedern, als nach dem 2. Weltkrieg Schützenvereine wieder zugelassen wurden. Konrad war damals erst 19 Jahre alt. Mit ihm verstarb nunmehr unser letztes Wiedergründungsmitglied. Sein Name wird stets mit den Männern derer in Erinnerung bleiben, denen die Adlerschützen zu verdanken haben, dass es unseren Verein überhaupt gibt.
Konrad war eine tragende Säule im Verein. Der Schützenverein war „sein Verein“! Konrad hatte im Laufe der Jahrzehnte eine Vielzahl von Ehrenämtern inne. So war er unter anderem 26 Jahre Waffen- und Gerätewart sowie 3 Jahre Schießleiter. Beim 60-jährigen Gründungsfest mit Fahnenweihe 1973 war er Festausschussmitglied und mitverantwortlich für die Organisation der Totenehrung. Beim 75-jährigen Gründungsfest 1988 war er ebenfalls Festausschussmitglied. Er war wiederum verantwortlich für die Totenehrung sowie für den Weckruf am Festsonntag und die Festzugordnung. Von 1996 – 2008 war er Beirat und hat eine zum damaligen Zeitpunkt sehr junge Vorstandschaft nach Kräften unterstützt. Seine Meinung war gefragt und man konnte mit jedem Anliegen zu ihm kommen. Trotz – oder gerade wegen seiner ruhigen und zurückhaltenden Art hat sein Wort etwas gegolten.
Beim Bau des Schützenheimes 1999 stand er mit Bauer Sepp an der Mörtelmaschine. Die beiden machten damals pausenlos den Mörtel. Mörtelsilos hatten wir nicht. Die Mörtelmaschine bekam die Firma Dankerl nach Fertigstellung des Schützenheimes natürlich blitzblank geputzt zurück. Auch war er für die Ordnung und Sauberkeit auf der Baustelle zuständig. Alles war immer tiptop.
Natürlich war Konrad auch Schütze. Gemeinsam mit seiner Frau Liesl war er bis ins hohe Alter bei unzähligen Schießabenden an Feitagabenden dabei. Das gesellige Miteinander hatte in der Vergangenheit einen viel größeren Stellenwert als heute. Erst wurden ein paar Schüsse abgegeben, dann saß man gemütlich zusammen, und man war Schützenschwester und Schützenbruder. Es gäbe viele Anekdoten zu erzählen. Auch bei unserem Ehrenpatenverein in Buschbell bei Köln waren Liesl und Konrad oft dabei. Viele Freunde hatten sie dort gefunden, und jahrzehntelange Freundschaften wurden gepflegt.
1969 wurde eine Kette für den Schützenkönig angeschafft. Konrad wollte immer einmal Schützenkönig sein. Jahr für Jahr trat er an den Stand, aber es sollte einfach nicht sein. Doch 1992 wurde er zwar wieder nicht Schützenkönig, nein, er wurde Gauschützenkönig des Schützengaues Cham. Im Haus des Gastes in Chamerau waren seiner Zeit über 30 Adlerschützen bei seiner Proklamation dabei. Beim Ehrentanz mit seiner Liesl bildeten wir einen großen Kreis und nahmen die beiden in die Mitte. Die Freude bei allen war riesengroß. So etwas gab es nie mehr wieder. Von der Gemeinde Willmering wurde er für seinen Erfolg mit der Sportplakette in Bronze ausgezeichnet.
Dann ging 1998 sein bis dahin unerfüllter Wunsch in Erfüllung. Konrad wurde Schützenkönig. Es gab nur ein Problem: Konrad und Liesl waren zu einer Hochzeit eingeladen und somit zur Proklamation im Gasthaus Waldfrieden in Geigen wohl nicht da. Mit Unterstützung von seinen beiden Töchtern haben wir Konrad dann doch die Königskette überreichen können. Es gab stehende Ovationen und nicht enden wollenden Applaus, so groß war die Freude bei allen die dabei waren.
Sein größter Verdienst war seine Tätigkeit als 1. Jugendleiter. Begonnen hatte alles damit, dass er in den 1970er Jahren seinen beiden Töchtern Sonja und Gisela das Schießen beibrachte. 21 Jahre lang nahm er sich Zeit für die Ausbildung von Mädchen und Jungen zu Schützen. Zeitweise waren mehr als 20 Jungschützen beim Taining, welche er und sein Stellvertreter Robert Greil zu betreuen hatten. Für manchen waren die beiden so eine Art väterlicher Freund: Sie waren Ansprechpartner für den ersten Liebeskummer oder wie man ein Mofa auffrisiert.
Bei den Jahreshauptversammlungen stellte Konrad fast jedes Jahr einen Antrag zur Ausstattung der Jugend mit Ausrüstung jeglicher Art.
Wo Konrad saß, hatte alles seine Ordnung: Die grüne DIN A 5 Mappe, wo jeder anwesende Jugendliche eingetragen wurde. Der Kugelschreiber, früher noch die Schachtel Zigaretten oder die Dosn Schnupftabak. Und natürlich sein Stammkrügerl, welches er von seiner Jugend mal geschenkt bekommen hatte.
Konrad praktizierte wie mit seinen Jungschützen bereits Teambuilding, als dieses Wort noch gar nicht erfunden war. In unregelmäßigen Abständen gab es auch einen Jungschützenausflug. Die Spiele, welche zu absolvieren waren, waren legendär. Die, die damals dabei waren, schwärmen heute noch davon. Über 40 Jahre später. Zur damaligen Zeit gab es auch einen Kehraus der Jungschützen am Faschings-Dienstag. Wir durften einfach machen, Konrad ließ uns freie Hand. Einmal kamen über 200 Besucher.
Unter seiner Anleitung lernten viele das sportliche Schießen. Erfolgreich waren seine Jungschützen auch auf Gauebene – insgesamt 4x auch Gaujugendkönig. Das war seiner Ausbildung zu verdanken. Viele dieser damaligen Jugendlichen haben später selbst Verantwortung im Verein übernommen, nicht zuletzt durch den Einfluss von Konrad.
Konrad erhielt viele Auszeichnungen des Oberpfälzer und des Deutschen Schützenbundes. Genannt seien nur die Höchsten: Das Ehrenabzeichen für 70-jährige Mitgliedschaft, das Protektorehrenzeichen Klasse 1 des Oberpfälzer Schützenbundes, sowie das Ehrenkreuz in Silber des Deutschen Schützenbundes.
Der Schützenverein Adler Willmering ernannte Konrad am 11. Mai 1996 für seine Verdienste zum Ehrenmitglied. Die höchste Auszeichnung, welche der Verein zu vergeben hat. Kaum einer hatte diese mehr verdient als Konrad. Seine Verdienste sind in Worten nicht zu beschreiben.
Mit seinem Tod verliert unser Schützenverein einen seiner Besten unserer 112-jährigen Geschichte. Sein Engagement und seine Leidenschaft haben unseren Verein viele Jahrzehnte bereichert. Der Platz, den Konrad in unseren Reihen hinterlässt, wird leer bleiben, aber die Spuren, die er im Verein hinterlassen hat, sind unvergänglich. Wir werden ihm ein ehrendes und immerwährendes Gedenken bewahren. Vergelt`s Gott für Alles!
Unser Mitgefühl und unsere Anteilnahme gehören seiner Familie sowie den hinterbliebenen Angehörigen.
Lieber Konrad, Ruhe in Frieden!